Milliardenmarkt Cannabis: Eine Legalisierung in Deutschland denkbar?

Immer wieder aufs Neue muss sich die deutsche Regierung mit dieser Frage beschäftigen: Wann wird Cannabis legalisiert, wenn überhaupt? An Vorbildern, bei denen eine Entkriminalisierung erfolgreich verlaufen ist, mangelt es nicht. Bestes Beispiel ist Kanada. Beim kleinen Bruder der USA ist das Rauschmittel bereits seit dem Jahr 2018 legal erhältlich. Drogenkriminalität sollte dadurch eingedämmt und die Nachfrage der Droge auf dem Schwarzmarkt sollte ausgelöscht werden, mit Erfolg. In den USA ziehen seit einigen Jahren immer mehr Staaten nach. Auch in anderen Ländern der Welt ist Bewegung in dem Thema. In Deutschland hinkt man stattdessen noch hinterher. Immerhin ist Cannabis seit 2017 auf Rezept vom Arzt erhältlich und diverse legale Cannabis-Produkte erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Ist die Legalisierung also nur noch eine Frage der Zeit?

Cannabis und seine Tradition

Cannabis, Marihuana oder einfach Hanf ist eine Nutz- und Heilpflanze, die schon seit mehr als 5.000 Jahren genutzt wird. Dabei wurde es nicht nur für medizinische Zwecke, wie etwa als Mittel gegen Rheuma, Fieber oder Schmerzen, genutzt, sondern es wurde auch Kleidung oder Papier daraus hergestellt. Heutzutage finden wir Cannabis zunehmend in der Lebensmittelindustrie und der Kosmetik.

Die Hauptwirkstoffe sind sogenannte Cannabinoide. Die beiden Bekanntesten sind wohl THC und CBD. Den höchsten Wirkstoffgehalt besitzen weibliche Pflanzen, weshalb sie am ehesten für medizinische Zwecke genutzt werden.

Viele Cannabisprodukte zählen zu den verbotenen Substanzen, es sei denn, dass sie vom Arzt verschrieben werden. Maßgeblich dabei ist, ob sie THC enthalten, da dieser Stoff für die berauschende Wirkung verantwortlich ist.

Produkte, die jedoch statt THC das Cannabinoid CBD enthalten, sind in Deutschland legal und werden immer beliebter. Sie sind in Apotheken oder im Internet in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, dabei ist wohl das CBD-Öl am bekanntesten. Es hat eine ähnliche Wirkung wie das reguläre Cannabis, allerdings ohne die berauschende Wirkung, was es besonders verträglich macht.

Cannabis auf Rezept

Seit dem Jahr 2017 ist Cannabis zumindest als Medizin legal erhältlich. Allerdings wird es nur bei wirklich schweren chronischen Erkrankungen verschrieben und auch nur dann, wenn keine andere Therapie mehr anschlägt. Hauptsächlich geht es beim medizinischen Cannabis um die Therapie von Schmerzen. Gleichzeitig kann es appetitanregend wirken.

Seit vier Jahren ist das Gesetz nun in Kraft. Gerade in den ersten Jahren gab es jedoch schwere Startschwierigkeiten. Unter anderem sehen Ärzte die Dosierung des Medikaments als sehr schwierig an, da der THC-Gehalt im Cannabis immer unterschiedlich sein kann und allein schon von Sorte zu Sorte variiert. Auch der deutsche Hanfverband fordert hier Nachbesserung von Seiten der Politik.

Legalisierung wenig wahrscheinlich

Die Debatte um die Legalisierung von Cannabis ist zwar nach wie vor am Brennen und am Lodern. Allerdings sieht es aktuell noch nicht wirklich danach aus, als würde eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland in den nächsten zwei bis drei Jahren durchgesetzt. Die aktuelle Drogenbeauftragte des Bundes, Daniela Ludwig, geht sogar davon aus, dass Cannabis auch in den kommenden Jahren verboten sein wird.

Vielleicht wird in der Zwischenzeit erst einmal eine einheitliche Regelung gefunden, wie mit dem Besitz von Cannabis umgegangen werden kann. Die Handhabe ist hier nämlich von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wer nämlich geringe Mengen der Droge unerlaubt mit sich führt, kann unter Umständen Glück haben. Ist die Menge kleiner als der für das Bundesland geltende Grenzwert, kann die Staatsanwaltschaft von einer strafrechtlichen Verfolgung dieses Delikts absehen. Die Grenzwerte schwanken zwischen 6 und 15 Gramm je nach Bundesland pro Person für den eigenen Bedarf.

Auf der anderen Seite glauben die Linken, die FDP und die Grünen daran, dass eine Legalisierung von Cannabis doch sehr bald möglich sein könnte. Sie brachten bereits in der Vergangenheit konkrete Konzepte vor, wie eine Legalisierung in Deutschland aussehen könnte. Dabei ist eines der Hauptargumente, dass Alkohol die schlimmere Droge sei und sie auch noch legal ist.

Ist Alkohol wirklich schädlicher?

Es sind zwei verschiedene Arten von Drogen. Alkohol ist ein Gift, dass die Zellen und das Gewebe direkt schädigen kann. Wer zu viel trinkt, kann damit auf lange Sicht seine Organe schädigen. Außerdem kann Alkohol zu einer Abhängigkeit und zu Hirnschäden führen. Etwas weniger schädlich ist hingegen Cannabis für den Körper, da hier „nur“ die Blutgefäße erweitert und der Blutdruck sowie der Puls erhöht werden.

Neben diesen körperlichen Auswirkungen können beide Drogen auch auf die Psyche wirken. Cannabis kann Angst, Unruhe und sogar Halluzinationen hervorrufen. Alkohol hingegen kann die Gewaltbereitschaft erhöhen. Beide Drogen können gefährlich sein, allerdings können die Schäden, die durch Alkohol hervorgerufen werden, deutlich schwerwiegender sein und sogar unter Umständen zum Tod führen.

Vorteile einer Legalisierung

Trotz der (im Vergleich zu Alkohol doch geringen) Schäden, die Cannabis anrichten könnte, bietet eine Legalisierung dennoch einige Vorteile. Vor allem die Bundesregierung kann durch die Einnahme von Steuergeldern davon profitieren.

Gewinne in Milliardenhöhe könnte die Bundesregierung einfahren, wenn der Verkauf von Cannabis legalisiert würde. Neue Arbeitsplätze würden geschaffen, Kapazitäten bei der Polizei eingespart. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die nächsten Jahre im Hinblick auf eine Entkriminalisierung von Cannabis entwickeln.

Quelle

Dieses Fenster schließen!