{"id":716,"date":"2020-12-08T21:08:32","date_gmt":"2020-12-08T20:08:32","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=716"},"modified":"2020-12-19T19:55:58","modified_gmt":"2020-12-19T18:55:58","slug":"verpasst-deutschland-den-cannabis-boom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=716","title":{"rendered":"Verpasst Deutschland den Cannabis-Boom?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-06-25T094220Z-1922106660-RC29GH9GBOTG-RTRMADP-3-ISRAEL-CANNABIS.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-717\" srcset=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-06-25T094220Z-1922106660-RC29GH9GBOTG-RTRMADP-3-ISRAEL-CANNABIS.jpg 750w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-06-25T094220Z-1922106660-RC29GH9GBOTG-RTRMADP-3-ISRAEL-CANNABIS-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Ein Mitarbeiter der israelischen Firma Pharmocann pr\u00fcft, ob mit den Hanfpflanzen alles in Ordnung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><strong>Die Berliner Sanity Group geh\u00f6rt schon zwei Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung zu den gr\u00f6\u00dften Cannabis-Unternehmen Europas. Auch Fu\u00dfballprofi Mario G\u00f6tze investiert in das Startup, das mit medizinischen und Wohlf\u00fchlprodukten sein Geld verdient. Die gro\u00dfen Summen flie\u00dfen aber anderswo.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn&nbsp;Finn H\u00e4nsel&nbsp;in die USA, nach Kanada, Mexiko, Uruguay oder Israel guckt, wird er manchmal ein bisschen neidisch. Denn dort k\u00f6nnen viele Menschen entweder schon jetzt oder sehr bald v\u00f6llig legal im Laden Marihuana kaufen und einen Joint rauchen. Und Deutschland? Kommt bei der Legalisierung von Cannabis nicht so recht vom Fleck. &#8222;Deutschland ist eines der konservativeren L\u00e4nder, was Arzneimittelsicherheit, Patientensicherheit und Konsumentensicherheit angeht&#8220;, sagt der Cannabis-Unternehmer im ntv-Podcast &#8222;Wieder was gelernt&#8220;. &#8222;Das ist auch richtig, aber man sieht halt: Es werden immer mehr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Fast unbemerkt haben vier US-Bundesstaaten am 3. November nicht nur \u00fcber Donald Trump und Joe Biden abgestimmt, sondern auch \u00fcber die Legalisierung von Cannabis. Die Pflanze aus der Gruppe der Hanfgew\u00e4chse, deren weiblicher Teil psychoaktive Wirkstoffe enth\u00e4lt, die sich unter anderem beim Rauchen berauschend entfalten, hat mit wehenden Fahnen in&nbsp;Arizona, Montana, New Jersey und South Dakota&nbsp;gewonnen. Damit erlauben inzwischen&nbsp;37 US-Bundesstaaten, das sind&nbsp;70 Prozent der US-Bev\u00f6lkerung, das legale Kiffen. In den meisten F\u00e4llen aus medizinischen Gr\u00fcnden, ein Drittel des Landes aber auch einfach so. Bald k\u00f6nnte das \u00fcberall der Fall sein: Am Freitag stimmte das US-Repr\u00e4sentantenhaus daf\u00fcr, Marihuana auf Bundesebene der Vereinigten Staaten aus dem Bet\u00e4ubungsmittelgesetz zu streichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Plan verfolgt man auch weiter s\u00fcdlich, in&nbsp;Mexiko. Dort muss nur noch das Unterhaus des Parlaments zustimmen, dann h\u00e4tte der dritte Staat nach Uruguay und Kanada Cannabis landesweit legalisiert. Auch in Neuseeland, Luxemburg und Nordmazedonien steht das Thema auf der Agenda. Selbst Israel unter der konservativen Likud-Regierung schiebt die Legalisierung an. Die Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen hat Cannabis Anfang Dezember von ihrer&nbsp;Liste der gef\u00e4hrlichsten Drogen&nbsp;gestrichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Boot mit Mario G\u00f6tze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Finn H\u00e4nsel begr\u00fc\u00dft diese Entwicklung &#8211; kein Wunder, er verdient sein Geld mit der markanten Hanfpflanze. Der geb\u00fcrtige Flensburger hat mit seinem Gesch\u00e4ftspartner Fabian Friede vor zwei Jahren die&nbsp;Sanity Group&nbsp;gegr\u00fcndet, mit der sie die &#8222;gesundheitlichen Vorteile von Cannabinoiden&#8220; erschlie\u00dfen wollen, so steht es auf ihrer Internetseite. Bisher anscheinend ziemlich erfolgreich. Ende November hat die Sanity Group mehrere neue Investoren begr\u00fc\u00dft, darunter den amerikanischen S\u00e4nger&nbsp;Will.i.am von der Hip-Hop-Gruppe Black Eyed Peas, Fu\u00dfballprofi Mario G\u00f6tze und Moderator Klaas Heufer-Umlauf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir haben uns auf die beiden M\u00e4rkte fokussiert, die in Deutschland m\u00f6glich sind&#8220;, sagt der Chef der Sanity Group. &#8222;Das ist einerseits medizinisches Cannabis, das \u00c4rzte verschreiben m\u00fcssen. Das zweite Thema ist CBD, sprich Kosmetik, Wellbeing-Produkte und Hanf-Extrakte in Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln. Das ist sehr gut angelaufen, wir geh\u00f6ren zwei Jahre nach dem Start schon zu den gr\u00f6\u00dferen Spielern in Europa.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>CBD steht f\u00fcr Cannabidiol. Das ist einer von mehr als hundert Wirkstoffen, die sich in der Cannabispflanze wiederfinden. Anders als THC, das bekannteste Cannabinoid, hat CBD keine berauschende Wirkung und f\u00e4llt damit nicht unter das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz. Es wirkt trotzdem, nur anders. Die Forschung sagt, dass es zum Beispiel beim Konzentrieren hilft und man damit besser schlafen kann. Auch Entz\u00fcndungen k\u00f6nnen vermieden werden, Muskeln scheinen sich nach dem Sport besser zu entspannen. &#8222;Das sind f\u00fcr Sportler sehr interessante Eigenschaften&#8220;, sagt Finn H\u00e4nsel. &#8222;Es ist nat\u00fcrlich spannend, in Zukunft gemeinsam mit Mario G\u00f6tze zu schauen, ob wir sein Wissen in unsere Produkte einflie\u00dfen lassen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bedenken muss kein Profisportler haben, wenn er CBD-haltige Produkte wie \u00d6le, Gele, Sprays, Kapseln, S\u00e4fte, Schokoladen, Teesorten, Seifen oder Kerzen nutzt. Die Weltdopingagentur Wada hat den Stoff 2018 von der Dopingliste gestrichen. Eine Chance, die amerikanische Sportligen sofort ergriffen haben. Sowohl die&nbsp;Football-Liga NFL als auch der Kampfsportverband UFC wollen gemeinsam mit dem kanadischen Cannabisunternehmen Aurora&nbsp;herausfinden, ob Cannabidiol die Schmerzen dieser sehr brachialen Sportarten auf nat\u00fcrliche Weise lindern kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recht auf Rausch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sanity Group vertreibt ihre CBD-Produkte unter der Marke Vaay in ihrem Onlineshop. THC enthalten diese nicht, das f\u00e4llt in Deutschland unter das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz. Anbau, Verkauf und Erwerb von THC sind verboten, nur der Konsum ist erlaubt. Grunds\u00e4tzlich ist auch der Besitz verboten, wenn es aber geringe Mengen sind, verzichtet die Justiz in der Regel auf die Strafverfolgung. In den meisten Bundesl\u00e4ndern liegt die Obergrenze bei 6 Gramm, das besonders nachsichtige Berlin erlaubt sogar bis zu 15 Gramm Marihuana in der Hosentasche.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn&nbsp;Artikel 2 des Grundgesetzes&nbsp;besagt, dass wir unsere Pers\u00f6nlichkeit frei entfalten d\u00fcrfen. Mehrere Verfassungsrechtler sind deshalb der Meinung, dass in Deutschland ein &#8222;Recht auf Rausch&#8220; gilt und das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz in seiner aktuellen Form verfassungswidrig ist. Schlie\u00dflich ist auch so viel Bier und Schnaps erlaubt, wie man f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Aber es gebe noch mehr Argumente, die f\u00fcr eine Legalisierung sprechen, sagt Finn H\u00e4nsel. In Kanada w\u00fcrden viele Menschen zur Freude der Krankenkassen ihren Alkohol-Konsum durch Cannabis ersetzen, erz\u00e4hlt er. Der wirtschaftliche Aspekt spiele ebenfalls eine Rolle, die Steuereinnahmen k\u00f6nnte man in Drogenpr\u00e4vention und Aufkl\u00e4rung stecken. Auch der Polizei w\u00e4re geholfen, wenn sie nicht Drogendelikte im kleinsten Ma\u00dfe verfolgen m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Argumente haben in Deutschland noch nicht alle \u00fcberzeugt. Linke, FDP und Gr\u00fcne sind schon seit einiger Zeit f\u00fcr die Legalisierung, und auch die SPD will wenigstens einmal schauen, was passiert, wenn die L\u00e4nder&nbsp;Cannabis in Modellprojekten entkriminalisieren und reguliert verkaufen. Aber die AfD und vor allem die Union sind nach wie vor aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden dagegen. F\u00fcr den Chef der Sanity Group \u00e4rgerlich, schlie\u00dflich hat er schon vor knapp 20 Jahren als 19-J\u00e4hriger in seiner Heimat Schleswig-Holstein daf\u00fcr gek\u00e4mpft, medizinisches Cannabis zu legalisieren &#8211; als Vorsitzender der Jungen Union in Flensburg. Aber damals wie heute gestaltet es sich schwer, seine Parteikollegen zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chance verpasst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Stigmatisierung h\u00e4ngt dem Cannabis noch immer an. Die ganz gro\u00dfe Frage: M\u00f6chte man eine dritte Droge nach Alkohol und Nikotin legalisieren?&#8220;, erz\u00e4hlt der Unternehmer. Auf der anderen Seite m\u00fcsse man festhalten, dass die Drogen-Verbotspolitik der letzten Jahre gescheitert sei. Es habe keine gro\u00dfen Verbesserungen bei der Zahl der Drogentoten gegeben. Cannabis m\u00fcsse wie in den USA und Kanada neu gedacht werden, sagt H\u00e4nsel. Und er ist \u00fcberzeugt: Die Denkmuster l\u00f6sen sich, wenn auch langsam. Drei bis zehn Jahre, sch\u00e4tzt er, wird es noch dauern, bis Bewegung in die Legalisierung kommt &#8211; abh\u00e4ngig von den politischen Konstellationen im Bundestag. Aber dann k\u00f6nnte es aus wirtschaftlicher Sicht vielleicht schon zu sp\u00e4t sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Rund vier Millionen Euro hat die Sanity Group im November von ihren neuen Investoren eingesammelt &#8211; unter anderem auch von der Bitburger Gruppe. Das Gesamtinvestment bel\u00e4uft sich damit auf rund 25 Millionen Euro. Constellation Brands allerdings, einer der gr\u00f6\u00dften Spirituosenkonzerne der Welt, ist aber schon vor mehr als zwei Jahren&nbsp;f\u00fcr vier Milliarden Dollar&nbsp;bei Canopy Growth eingestiegen, dem gr\u00f6\u00dften Cannabis-Hersteller der Welt. Gemeinsam will die amerikanisch-kanadische Co-Produktion Getr\u00e4nke mit Cannabis-Geschmack oder Cannabis-Wirkung entwickeln. F\u00fcr einen Markt, der schon in wenigen Jahrzehnten gr\u00f6\u00dfer sein k\u00f6nnte als der f\u00fcr Alkoholika. Die Analysefirma Grand View Research sch\u00e4tzt, dass Cannabisfirmen&nbsp;2027 einen Umsatz von 73 Milliarden Dollar&nbsp;erwirtschaften werden. Fast 90 Prozent davon landen derzeit in Nordamerika.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Man sieht das Problem, wenn man sich die Kleinen Anfragen im Bundestag anschaut. Besonders die FDP fragt immer wieder offen: Machen wir uns in Europa einen Markt kaputt, weil wir so streng sind, w\u00e4hrend das Gesch\u00e4ft in Kanada bl\u00fcht? Und wenn wir uns \u00f6ffnen, ist es f\u00fcr die lokale Branche dann schon zu sp\u00e4t?&#8220;, mahnt Finn H\u00e4nsel. &#8222;Deutschland muss wie beim Internet of Things, beim autonomen Autofahren, bei der E-Mobilit\u00e4t aufpassen, dass man am Ende nicht wieder eine Chance verpasst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Verpasst-Deutschland-den-Cannabis-Boom-article22212005.html\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mitarbeiter der israelischen Firma Pharmocann pr\u00fcft, ob mit den Hanfpflanzen alles in Ordnung ist. 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