{"id":578,"date":"2020-11-19T16:20:17","date_gmt":"2020-11-19T15:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=578"},"modified":"2020-12-19T20:03:04","modified_gmt":"2020-12-19T19:03:04","slug":"was-die-legalisierung-gebracht-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=578","title":{"rendered":"Was die Legalisierung gebracht hat"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"Https:\/\/hanfserver.info\/webseitenbilder\/KanadaFlagge.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Als erstes G7-Industrieland legalisierte Kanada 2018 Cannabis.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><strong>Seit Oktober 2018 d\u00fcrfen Erwachsene in Kanada Cannabis kaufen und konsumieren. Die staatlich lizensierten Shops sollen dem Schwarzmarkt die Nachfrage entziehen und so Drogenkriminalit\u00e4t eind\u00e4mmen, hofft die liberale Regierung. Eine erste Bilanz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kanadas Hauptstadt Ottawa, Confederation Building, nur ein paar Schritte vom Parlament entfernt, das sich m\u00e4chtig M\u00fche gibt, Big Ben zu imitieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>William Blair begr\u00fc\u00dft in seinem gro\u00dfz\u00fcgigen B\u00fcro im Erdgeschoss. Er ist nicht nur Minister f\u00fcr Grenzschutz und Kampf gegen organisierte Kriminalit\u00e4t. Der liberale Premier Justin Trudeau hat ihn auch zum Cannabis-Minister gemacht: Besteuerung, Kontrolle der Anbauer, Drogen am Steuer,&nbsp;Schutz von Kindern \u2013 all das f\u00e4llt in Blairs Ressort.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gewaltiger Rollenwechsel: Fr\u00fcher hat Blair als Polizeichef der Gro\u00dfstadt Toronto gegen Cannabis gek\u00e4mpft, nun kontrolliert er das Gesch\u00e4ft damit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHundert Prozent des Cannabis-Marktes waren in der Hand der organisierten Kriminalit\u00e4t. Ohne jede Regeln. Der Schwarzmarkt hat kein Interesse an der Gesundheit unserer Kinder oder der Sicherheit unserer Gemeinden. Ihn zu verdr\u00e4ngen ist ein wichtiges Ziel unsere Politik. Seit der Legalisierung vor einem halben Jahr findet inzwischen ein Drittel aller Eink\u00e4ufe von Erwachsenen auf legalem Weg statt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Minderj\u00e4hrige bleibt Cannabis nach den Vorgaben der Regierung weiterhin tabu. Studien warnen vor Sch\u00e4den f\u00fcr das sich entwickelnde Gehirn. Allerdings gibt fast ein Drittel der kanadischen Teenager an, im vergangenen Vierteljahr Marihuana geraucht zu haben. Erkl\u00e4rtes Ziel der Regierung ist es, den Schwarzmarkt so zu besch\u00e4digen, dass Kinder letztlich kaum noch Drogendealer finden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Cannabis-Kritikerin: Es geht um Geld, Jobs und Steuern<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir haben zudem immer noch alle Optionen von Ermittlung bis Strafverfolgung, um mit den Kriminellen umzugehen, die unsere Kinder in Gefahr bringen. An diesen Gesetzen hat sich nichts ge\u00e4ndert.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Pamela McColl ist die vielleicht sch\u00e4rfste Kritikerin der Cannabis-Freigabe in einem Land, das sonst recht unaufgeregt damit umzugehen scheint. Kanada und die Droge \u2013 das war schon so lange angek\u00fcndigt, ein Wahlversprechen Justin Trudeaus. Dann der Start auch noch verz\u00f6gert.&nbsp;Als es am 17. Oktober schlie\u00dflich so weit war, schienen die Gefechte von Gegnern und Bef\u00fcrwortern bereits geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hanfserver.info\/webseitenbilder\/ShopCA.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Medienwirksam startete Kanada im Oktober 2018 den legalen Verkauf von Cannabis. Vorreiter war Uruguay.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eDas Problem ist doch: Es gibt einfach zu viele Lobbyisten in der Marihuana-Industrie. Auch die amerikanische Lobby hat nun tief Wurzeln hier in Kanada geschlagen. Die Regierung hat Hof gehalten mit all den Mitwirkenden der Marihuana-Industrie. Ihr geht es vor allem ums Geld, um Jobs, um Steuern. Und sehr wenig um gesundheitliche Aufkl\u00e4rung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Acht Milliarden kanadische Dollar schwer sei das Gesch\u00e4ft, das bislang der Schwarzmarkt gemacht habe, sagt die Regierung. Pamela McColl spricht f\u00fcr mehrere Gruppen, die die Legalisierung ablehnen. Vor die Wahl gestellt zwischen Verbot oder der jetzt praktizierten Schadensbegrenzung mittels eines kontrollierten Marktes ist sie klar f\u00fcr die R\u00fcckkehr zur Prohibition. Aber selbst die konservative Opposition will die Legalisierung lediglich \u201e\u00fcberpr\u00fcfen\u201c, sollte sie sich bei den Wahlen im Herbst gegen die regierenden kanadischen Liberalen unter Trudeau durchsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas gr\u00f6\u00dfte Risiko gilt meiner Meinung nach Fragen der Fortpflanzung. Unsere eigene Gesundheitsbeh\u00f6rde \u201aHealth Canada\u2018 erkl\u00e4rt gleich auf ihrer Webseite, dass M\u00e4nner nicht Marihuana nehmen sollten, wenn sie Kinder haben wollen. Die wissenschaftlichen Daten zu Erbgutsch\u00e4den und zur Ver\u00e4nderung von Spermien sind gravierend. Ich glaube nicht, dass viele kanadische M\u00e4nner diese Risiken verstehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie f\u00fcr viele andere Entscheidungen Erwachsener gilt \u2013 ganz \u00e4hnlich wie bei Alkohol oder Tabak: Unsere Verantwortung ist es, dass sie alle notwendigen Informationen bekommen, um sich ges\u00fcnder, sicherer und gesellschaftlich verantwortungsbewusster zu entscheiden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dfter legaler Cannabis-Hersteller weltweit in Smiths Falls<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das 9000-Einwohner-\u00d6rtchen Smiths Falls: Hier dr\u00f6hnen L\u00fcftungs- und Heizungsanlagen f\u00fcr Kanadas legales Marihuana. \u201eCanopy Growth\u201c ist Kanadas gr\u00f6\u00dfter Produzent, eine knappe Autostunde von der Hauptstadt Ottawa entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Laborkittel, \u00dcberzieher f\u00fcr die Schuhe, T\u00fcren mit Chipcard-Lesern. \u201eCanopy Growth\u201c verbreitet eine technisch-sterile Atomsph\u00e4re mit strikten Kontrollen. In Smiths Falls stehen&nbsp;auch nicht die gro\u00dfen Hanf-Gew\u00e4chsh\u00e4user, die finden sich vor allem an der Pazifikk\u00fcste in Britisch-Kolumbien.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hanfserver.info\/webseitenbilder\/Plantage.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Aus den Bl\u00e4ttern und Bl\u00fcten der Hanfpflanze lassen sich Haschisch und Marihuana herstellen. <br>Sie enthalten den psychoaktiven Wirkstoff THC.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Hier aber wachsen die sogenannten Mutterpflanzen, die zur Massenvermehrung dienen und die Sortenreinheit gew\u00e4hrleisten sollen. Hier sind Labore zur \u00dcberpr\u00fcfung der Produkte und zur Entwicklung neuer. Und hier ist das Besucherzentrum im Lounge-Stil f\u00fcr das Tochterunternehmen \u201eTweed\u201c, in dessen Namen das \u201eWeed\u201c augenzwinkernd schon eingebaut ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Den Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer nennt&nbsp;das \u201eManager-Magazin\u201c bissig einen \u201eDrogenboss\u201c. Da lacht Bruce Linton nur. Hauptsache, sie w\u00fcrden dar\u00fcber nicht seinen oder gar den Firmennamen vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruce Linton ist lebendes Marketing \u2013 und scheint seine Energie und seine \u00fcbersprudelnden Ideen kaum z\u00fcgeln zu k\u00f6nnen. Als erstes fragt er, ob in Deutschland nicht der Kohlebergbau vor dem Aus stehe. Er wolle n\u00e4mlich \u00fcberall dort produzieren, wo es sonst keine Jobs mehr gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>In Smiths Falls ist zwar nicht die Kohleindustrie gestorben, aber der Schokoladenhersteller Hershey\u2018s&nbsp;gegangen. Mehr als 500 Jobs gingen damals verloren. Der kleine Ort geriet ins Schleudern. Heute gilt er als \u201ePot Capital of Canada\u201c, die Pot-Hauptstadt Kanadas.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von hier aus will \u201eCanopy Growth\u201c&nbsp;nicht weniger als ein Google des Cannabis-Marktes werden. Schon jetzt ist die Firma der gr\u00f6\u00dfte legale Hersteller der Welt. Die Mitarbeiterzahl ist binnen eines Jahres von 700 auf 2700 gestiegen. F\u00fcr das erste Quartal seit der Legalisierung hat Linton eine Umsatzexplosion um fast 300 Prozent verzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Welt wacht auf. Cannabis ist doch nichts Neues. Regierungen haben die Wahl: Sie k\u00f6nnen es ignorieren, dann k\u00fcmmern sich Kriminelle darum. Oder sie regulieren es, verdienen Geld damit und kl\u00e4ren die Gesellschaft auf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ab Oktober 2019: Freigabe f\u00fcr Cannabis in Lebensmitteln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Risiken, ja, die gebe es, sagt Linton. Er zeigt dann aber gleich mit dem Finger auf die illegalen H\u00e4ndler mit dubioser Ware, unklarer Herkunft, Zusammensetzung und wom\u00f6glich mit Verunreinigungen. Lieber spricht er \u00fcber die Vorz\u00fcge der Pflanze \u2013 und die Marktchancen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir machen klinische Studien mit Menschen, die schlecht schlafen. Oder mit \u00c4lteren. Sie k\u00f6nnen sich wom\u00f6glich schlechter bewegen, haben Schmerzen. Wir sehen uns Studien an, wonach Cannabis \u00c4lteren helfen kann, weil man dann andere Medikamente reduziert. Deshalb w\u00fcrde ich gerne auch den deutschen Markt f\u00fcr medizinisches Marihuana st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rechnung ist einfach: Kanada erlaubt Cannabis f\u00fcr jeden Erwachsenen, ob mit oder ohne Rezept. Aber: In dem zweitgr\u00f6\u00dften Fl\u00e4chenland der Welt leben nur etwa 37 Millionen Menschen. Allein in Deutschland ist die Bev\u00f6lkerung mehr als doppelt so gro\u00df, sprich: ist der Markt damit auch mehr als doppelt so gro\u00df, wenn auch vorerst auf medizinischen&nbsp;Einsatz begrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich bereitet sich \u201eCanopy Growth\u201c auf \u201eCannabis 2.0\u201c vor \u2013 die kanadische Cannabis-Freigabe auch f\u00fcr Lebensmittel und Getr\u00e4nke. Die soll im Oktober dieses Jahres folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf der anderen Stra\u00dfenseite ist ein recht gro\u00dfes Geb\u00e4ude \u2013 dort werden wir mit Cannabis versetzte Getr\u00e4nke herstellen. Dieses Produkt gibt es nat\u00fcrlich auf dem illegalen Markt auch nicht. Wir schaffen hier ein globales Unternehmen. Eine Firma hat uns gerade vier Milliarden US-Dollar f\u00fcr 17 Prozent unserer Firma gegeben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das erinnert an den Hype um Tech-Unternehmen. Wo aber die Erwartungen explodieren, ist vielleicht auch die Finanzblase nicht mehr weit. Zwischen 25 und 55 kanadischen Dollar hat die \u201eCanopy Growth\u201c-Aktie schon viel Auf und Ab gesehen. Noch schreibt das Unternehmen rote Zahlen \u2013 aber nur wegen des aggressiven Expansionskurses, so sieht es Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Linton.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCannabis 2.0\u201c \u2013 da ist erneut Bundesminister Blair in der Hauptstadt Ottawa&nbsp;gefragt. Ein neuer Markt \u2013 von Gummib\u00e4rchen \u00fcber Geb\u00e4ck bis hin zu Bier.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir wissen, dass es nennenswerte zus\u00e4tzliche gesundheitliche und soziale Risiken gibt f\u00fcr Lebensmittel, Extrakte und Produkte zur \u00e4u\u00dferen Anwendung. Deshalb haben wir uns daf\u00fcr ein weiteres Jahr Zeit genommen. Wir wollen die richtigen Obergrenzen. So dass kanadische Erwachsene genau wissen, welche St\u00e4rke die Produkte haben und was sie ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesundheitsbeh\u00f6rde \u201eHealth Canada\u201c will maximal&nbsp;zehn Milligramm der psychoaktiven Substanz THC pro Lebensmittel oder Getr\u00e4nkepackung zulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende M\u00e4rz wurde noch flei\u00dfig gebaut. Anfang April hat dann die \u201eSuperette\u201c in Ottawa er\u00f6ffnet. Eines der ersten legalen Cannabis-Gesch\u00e4fte in Ontario, der bev\u00f6lkerungsreichsten Provinz Kanadas. Fast ein halbes Jahr hat die Region gebraucht, um Kunden mehr als ein Online-Angebot zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wei\u00df geflieste Gesch\u00e4ft wirkt wie eine Mischung aus Metzgerei und Designer-Shop. Zur Er\u00f6ffnung gibt es nur m\u00e4\u00dfige Schlangen. Und unaufgeregte Anwohner wie Lee-Anne. Sie macht sich keine Sorgen um die Sicherheit, sondern hat eher Bedenken&nbsp;\u00fcber Staus und Parkpl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kanadische Provinzen sind Cannabis-Flickenteppich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, nicht HTC sondern THC\u201c, korrigiert der Verk\u00e4ufer einen Kunden. Das Fachvokabular rund um Cannabis geht nicht jedem leicht von den Lippen. Rund 3000 Kilometer von Kanadas Hauptstadt und dem \u201eSuperette\u201c-Gesch\u00e4ft entfernt liegt Yellowknife, Hauptstadt der kanadischen Nordwest-Territorien. 20.000 Einwohner klein, nicht weit vom Polarkreis entfernt, ist hier auch im M\u00e4rz der riesige Great Slave See noch so massiv zugefroren, dass \u00fcber die Bucht hinweg eine Eisstra\u00dfe nach Dettah verl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Mal 18 mal 19 Jahre ist das Mindestalter. Meist d\u00fcrfen Hanfpflanzen zu Hause angebaut werden, in Quebec aber nicht. Die kanadischen Provinzen und Territorien haben mit ihren Regelungen einen gro\u00dfen Cannabis-Flickenteppich gewoben. Dazu geh\u00f6ren auch die Gesch\u00e4ftsmodelle: W\u00e4hrend Ontario bis April keinen einzigen Laden hatte und jetzt auf private Investoren setzt, gehen die Nordwest-Territorien einen anderen Weg: Sie verkaufen Cannabis \u00fcber die ohnehin schon staatlich reglementierten Alkoholgesch\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Regalen mit Wein, Bier und Schnaps eine kleine Theke: unter Glas sechs fast identisch aussehende Cannabis-Kartons. Mit gelb unterlegten Warnhinweisen und dem gesetzlich vorgesehenen Stopp-Zeichen mit dem Hanfblatt darin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesch\u00e4ft habe zwar an Fahrt aufgenommen, sagt Inhaber Edward Eggenberger. Gegen den billigeren Schwarzmarkt rechnet er sich aber keine gro\u00dfen Chancen aus. Der erste Verkaufstag&nbsp;dagegen war in dem kleinen Ort geradezu ein Ereignis, ein Spektakel. Ein Land auf Droge eben. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Alkoholgesch\u00e4fts:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer ganze Laden war rappelvoll. Wir mussten die T\u00fcren abschlie\u00dfen, damit nicht alle gleichzeitig reinkamen und wir die Kunden drinnen bedienen konnten. Einige kamen hier am 17. Oktober und haben etwas gekauft \u2013 ich bin \u00fcberzeugt, das liegt immer noch zuhause bei ihnen rum.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Um acht Uhr abends hie\u00df es dann: ausverkauft. Wie in vielen Orten Kanadas. Das Problem hat Edward Eggenberger&nbsp;heute nicht mehr, der Nachschub flie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Einfach nur \u201ecool\u201c, freut sich ein Kunde. Kein Versteckspiel sei mehr n\u00f6tig. Sein Plan: Nordlichter gucken und einen Joint rauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Stra\u00dfe beim Dealer will er nicht mehr einkaufen. Unsicher sei das. Und die Ware wom\u00f6glich verschmutzt. Die regierungsamtliche Kontrolle kommt f\u00fcr ihn einem Qualit\u00e4tssiegel gleich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wechseln S\u00fcchtige vom Alkohol zu Cannabis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein eigener Eingang, ein neuer Raum, abgetrennt vom Alkoholgesch\u00e4ft. Die kleine Cannabis-Verkaufstheke reicht Edward Eggenberger nicht. Er expandiert \u2013 trotz oder gerade wegen der Schwarzmarkt-Konkurrenz. Und setzt auf Boutique-Atmosph\u00e4re, ganz \u00e4hnlich wie die \u201eSuperette\u201c in Ottawa.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Moment w\u00e4re es noch unwirtschaftlich, diesen Raum zu \u00f6ffnen \u2013 das w\u00fcrde nur die Personalkosten in die H\u00f6he treiben. Als die Preise f\u00fcr den legalen Verkauf festgelegt wurden, da hat der Schwarzmarkt nur gesagt: Das kann ich besser. So kommen Leute hierher und wenn sie die Preise h\u00f6ren, dann sagen sie: Ach, dann gehe ich lieber bei meinem Kumpel einkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den gesamten Nordwest-Territorien leben keine 45.000 Menschen \u2013 auf einer Fl\u00e4che fast viermal gr\u00f6\u00dfer als die Deutschlands. B\u00fcrgermeister aus Paulatuk \u2013 rund 250 Einwohner \u2013 und Kakisa \u2013 Bev\u00f6lkerung ca.&nbsp;35 \u2013 haben sich Anfang des Jahres in Yellowknife getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ureinwohner des hohen Nordens f\u00fchlen sich von der Cannabis-Freigabe auch Monate danach v\u00f6llig \u00fcberfordert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr jeden hier im Norden geht es um die Frage der Folgen. Wird etwa der Cannabis-Konsum dramatisch zunehmen? Wir sind nicht naiv, wir wissen dass es Drogenkonsum hier auch vor der Legalisierung in allen Orten gegeben hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>David Stewart ist als stellvertretender Finanzminister der Territorien auch zust\u00e4ndig f\u00fcr Steuer- und andere Fragen rund um Cannabis. Er war Mitveranstalter der Konferenz in Yellowknife.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZu den Herausforderungen im Norden geh\u00f6ren die h\u00f6heren Suchtraten \u2013 von Alkohol bis hin zu anderen Drogen. Vielleicht wechseln jetzt manche vom Alkohol zu Cannabis. Historisch gesehen hat es hier viel Trauma gegeben \u2013 etwa wegen der sogenannten Residential Schools oder \u00e4hnlicher Ereignisse.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das waren Internate f\u00fcr die Kinder von Ureinwohnern. Sie wurden ihren Eltern entrissen. Die kanadische Regierung und die katholische Kirche wollten ihnen damit die&nbsp;eigenen Traditionen austreiben. Teils mit Gewalt \u2013 auch Missbrauch war keine Seltenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen ohne Familie, ohne Vergangenheit, die Traumata an ihre Kinder weitergeben. Das Thema besch\u00e4ftigt Kanada bis heute \u2013 jetzt auch mit Blick auf die Cannabis-Freigabe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDeshalb glaube ich, dass der Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch hier im Norden tats\u00e4chlich nur Symptome sind und Behandlung und Beratung brauchen. Ich glaube nicht, dass Alkohol, Cannabis oder andere Drogen das eigentliche Problem sind. Es geht um die darunterliegenden Probleme, um die wir uns k\u00fcmmern m\u00fcssen, damit wir einer besseren Zukunft entgegen gehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/cannabis-in-kanada-was-die-legalisierung-gebracht-hat.979.de.html?dram%3Aarticle_id=446944&amp;fbclid=IwAR3g9PnHuj2uhKBDIXQxomi8QUSjOFjEJap5lqW6e6emZc8ZQ9hokTXyIZY\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Oktober 2018 d\u00fcrfen Erwachsene in Kanada Cannabis kaufen und konsumieren. Die staatlich lizensierten Shops sollen dem Schwarzmarkt die Nachfrage entziehen und so Drogenkriminalit\u00e4t eind\u00e4mmen, hofft die liberale Regierung. Eine erste Bilanz. 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