{"id":443,"date":"2020-11-03T22:20:33","date_gmt":"2020-11-03T21:20:33","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=443"},"modified":"2020-12-19T20:10:04","modified_gmt":"2020-12-19T19:10:04","slug":"cannabis-experten-plaedieren-fuer-freigabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=443","title":{"rendered":"Cannabis: Experten pl\u00e4dieren f\u00fcr Freigabe"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Cannabis: Experten pl\u00e4dieren f\u00fcr Freigabe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15.10.202015:08<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.op-online.de\/region\/frankfurt\/cannabis-marihuana-haschisch-legalisierung-experten-plaedieren-fuer-freigabe-90057196.html#\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.op-online.de\/bilder\/2020\/09\/30\/90057196\/24054295-aus-den-blueten-der-weiblichen-hanfpflanze-besteht-marihuana-das-je-nach-thc-gehalt-berauschend-wirkt-haschisch-wird-aus-dem-harz-der-pflanze-gewonnen-2uOLkF2DUqac.jpg\" alt=\"Aus den Bl\u00fcten der weiblichen Hanfpflanze besteht Marihuana, das je nach THC-Gehalt berauschend wirkt. Haschisch wird aus dem Harz der Pflanze gewonnen und hat ebenfalls eine psychoaktive Wirkung. In der Medizin finden die Wirkstoffe THC und CBD vielerlei Anwendungen.\" title=\"Aus den Bl\u00fcten der weiblichen Hanfpflanze besteht Marihuana, das je nach THC-Gehalt berauschend wirkt. Haschisch wird aus dem Harz der Pflanze gewonnen und hat ebenfalls eine psychoaktive Wirkung. In der Medizin finden die Wirkstoffe THC und CBD vielerlei Anwendungen.\"\/><\/a><figcaption>Aus den Bl\u00fcten der weiblichen Hanfpflanze besteht Marihuana, das je nach THC-Gehalt berauschend wirkt. Haschisch wird aus dem Harz der Pflanze gewonnen und hat ebenfalls eine psychoaktive Wirkung. In der Medizin finden die Wirkstoffe THC und CBD vielerlei Anwendungen.&nbsp;\u00a9&nbsp;dpa<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Die Zahl der Straftaten durch Drogenhandel und -konsum nimmt das neunte Jahr in Folge zu, auch die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2020 erneut gestiegen. Einige Experten fordern deshalb ein Umdenken in der Drogenpolitik &#8211; zum Beispiel die Legalisierung von Cannabis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankfurt\u2013 Anfang September stellte&nbsp;<strong>Holger M\u00fcnch<\/strong>, Pr\u00e4sident des Bundeskriminalamtes (BKA), gemeinsam mit der Bundesdrogenbeauftragten&nbsp;<strong>Daniela Ludwig<\/strong>&nbsp;(CSU) die Statistiken zur Drogenkriminalit\u00e4t vor. Demnach ist die Zahl der Rauschgiftdelikte in Deutschland gestiegen. Bei dieser Pr\u00e4sentation sagte BKA-Chef M\u00fcnch, er k\u00f6nne sich eine Entkriminalisierung von Drogendelikten nach portugiesischem Modell vorstellen, wonach der Konsum und Besitz nicht mehr eine Straftat, sondern nur noch eine Ordnungswidrigkeit ist. Eine vollst\u00e4ndige Legalisierung zum Beispiel von Cannabis beurteilte er jedoch eher skeptisch, da aus entsprechenden L\u00e4ndern nicht bekannt sei, \u201edass Konsumentenzahlen r\u00fcckg\u00e4ngig sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als nur wenige Tage sp\u00e4ter dann bekannt wurde, dass auch die Zahl der Drogentoten im ersten Halbjahr 2020 stark anstieg, forderte der&nbsp;<strong>SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach<\/strong>, bestimmte Drogen zu legalisieren. Seine Partei hatte allerdings kurz zuvor einen Antrag der Gr\u00fcnen zur Freigabe von Cannabis im Gesundheitsausschuss abgelehnt. Auch die FDP \u2013 eigentlich ebenfalls Verfechter einer liberalen Drogenpolitik \u2013 enthielt sich, lediglich Gr\u00fcne und Linke stimmten f\u00fcr den Vorschlag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beispiele zeigen, dass die bisherige jahrzehntelange Prohibitionspolitik derzeit auf dem Pr\u00fcfstand steht, denn BKA-Chef M\u00fcnch ist nicht der Einzige aus dem Bereich der Strafverfolgung, der Signale in Richtung einer Liberalisierung sendet: Der&nbsp;<strong>Bund deutscher Kriminalbeamter (BdK)<\/strong>&nbsp;hat sich in der Vergangenheit bereits f\u00fcr eine Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten ausgesprochen, und auch der&nbsp;<strong>Deutsche Richterbund<\/strong>&nbsp;machte sich bereits f\u00fcr eine Straffreiheit f\u00fcr Konsumenten stark.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Cannabis-Produkte in Automaten und L\u00e4den<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei hat sich jenseits der politischen Diskussion in Bezug auf Cannabis in der Gesellschaft fast unbemerkt eine langsame Ver\u00e4nderung vollzogen: L\u00e4den, in denen Cannabis-Produkte verkauft werden, gibt es inzwischen in fast jeder gr\u00f6\u00dferen Stadt. Erst vor wenigen Monaten hatte unsere Zeitung dar\u00fcber berichtet, dass&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.op-online.de\/region\/rodgau\/rodga-ermittlungsbehoerden-haben-automat-mit-cannabis-chocolate-im-blick-13819882.html\">in Rodgau Cannabis-Schokolade und Marihuana-Bl\u00fcten gar in einem Automaten angeboten werden<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch warum darf das \u00fcberhaupt verkauft werden, wenn Cannabis doch verboten ist? \u201eKosmetikprodukte oder Lebensmittel wie Hanftee oder Hanfmehl sind legal, wenn sie einen entsprechend niedrigen THC-Gehalt haben\u201c, kl\u00e4rt&nbsp;<strong>Fabian Steinmetz<\/strong>&nbsp;auf. Er ist Toxikologe und Mitglied des&nbsp;<strong>Schildower Kreises<\/strong>, ein Netzwerk von Experten verschiedener Fachrichtungen, die sich f\u00fcr eine liberalere Drogenpolitik einsetzen. THC (Abk\u00fcrzung f\u00fcr Tetrahydrocannabinol) ist der psychoaktive Wirkstoff in der Cannabispflanze, der berauschend wirkt. F\u00fcr Lebensmittel und Kosmetika sind \u2013 je nach Produkt \u2013 weniger als 0,2 Prozent erlaubt, ein Rausch tritt erst ab einem THC-Gehalt weit \u00fcber diesem Grenzwert ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Medizin kann&nbsp;<strong>THC als Medikament<\/strong>&nbsp;verwendet werden (zum Beispiel gegen chronische Schmerzen, bei Multipler Sklerose oder auch bei Krebspatienten) \u2013 ebenso wie der&nbsp;<strong>Wirkstoff CBD<\/strong>&nbsp;(Abk\u00fcrzung f\u00fcr Cannabidiol), dem ein entspannender und antipsychotischer Effekt zugeschrieben wird. \u201eHanf hat etwa 100 verschiedene Cannabinoide und andere Wirkstoffe wie Terpene\u201c, erl\u00e4utert Steinmetz. Dabei sei die Kombination dieser Stoffe f\u00fcr die Wirkung entscheidend: So k\u00f6nne CBD die m\u00f6glichen negativen Auswirkungen des THC auf die menschliche Psyche abmildern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Cannabis: Experte pl\u00e4diert f\u00fcr Legalisierung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um m\u00f6glichst hohe Profite zu erzielen, werde jedoch der Anteil des psychoaktiven Wirkstoffes durch Z\u00fcchtung erh\u00f6ht. \u201eDas ist eine Folge der Prohibition.\u201c Das Verbot richte unter anderem auch deswegen mehr Schaden an als eine Regulierung, \u201eweil es Qualit\u00e4tskontrolle und Jugendschutz verhindert\u201c. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, Cannabis zu legalisieren. So k\u00f6nne man zum Beispiel \u00e4hnlich wie beim Alkohol den Wirkstoffgehalt regulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch sage nicht, dass Cannabis harmlos ist\u201c, betont der Toxikologe. Das Verbot versch\u00e4rfe allerdings viele negativen Wirkungen: \u201eDie Konsumenten werden strafrechtlich verfolgt und bekommen Probleme mit der F\u00fchrerscheinstelle, auch wenn sie gar nicht berauscht ein Fahrzeug gefahren sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprecher des Schildower Kreises ist der Frankfurter Sozialwissenschaftler&nbsp;<strong>Bernd Werse<\/strong>. Als Mitarbeiter und Mitbegr\u00fcnder des&nbsp;<strong>Centre for Drug Research (CDR) an der Goethe-Universit\u00e4t<\/strong>&nbsp;erforscht er unter anderem Drogen- und Konsumtrends, Jugendkulturen und Entwicklungen im Bereich des Konsums psychoaktiver Substanzen. F\u00fcr ihn wirft die Prohibition auch eine rechtsphilosophische Frage auf: \u201eDrogenbesitz ist das einzige Delikt, das im Strafgesetzbuch steht, wo man niemand anderem schadet, sondern h\u00f6chstens sich selbst.\u201c Dabei sei die Strafverfolgung mit hohen Kosten und gro\u00dfem Aufwand f\u00fcr Polizei und Gerichte verbunden, bem\u00e4ngelt er.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Marihuana: Macht Vergleich mit Alkohol Sinn?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wegen des Verbots steige die Gefahr von Psychosen und Verfolgungswahn, glaubt Fabian Steinmetz. Kiffer w\u00fcrden stigmatisiert. \u201eGrunds\u00e4tzlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der psychische Probleme hat, Cannabis konsumiert, \u00e4hnlich hoch wie bei Alkohol\u201c. In der Argumentation der Bef\u00fcrworter einer Legalisierung wird oft dieser Vergleich mit Alkohol herangezogen, doch macht er \u00fcberhaupt Sinn? \u201eMan kann da schon ein Missverh\u00e4ltnis feststellen: Alkohol ist im Gegensatz zu Cannabis legal, wird \u00f6ffentlich beworben und ist \u00fcberall billig verf\u00fcgbar\u201c, kritisiert Bernd Werse. Die Probleme, die Konsumenten entwickeln k\u00f6nnten, seien bei beiden Drogen unterschiedlich: Bei Alkohol bestehe die Gefahr einer schweren k\u00f6rperlichen Abh\u00e4ngigkeit, bei Cannabis k\u00f6nnten eher psychische Probleme auftreten. Und w\u00e4hrend Gewalttaten verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig h\u00e4ufig unter dem Einfluss von Alkohol passierten, sei dies bei Cannabis nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Experten des Schildower Kreises sch\u00e4tzen, dass bis zu zehn Prozent der Cannabiskonsumenten Probleme entwickeln k\u00f6nnten \u2013 eine \u00e4hnliche Quote wie beim Alkohol. Lange Zeit galt Cannabis als Einstiegsdroge, doch inzwischen sei unstrittig, \u201edass Alkohol die erste Einstiegsdroge ist\u201c, betont Fabian Steinmetz. \u201eDie einzige Komponente, die Cannabis zur Einstiegsdroge macht, ist das Verbot, weil die Dealer m\u00f6glicherweise auch andere illegale Substanzen verkaufen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Werse und Steinmetz pl\u00e4dieren f\u00fcr ein Legalisierungsmodell, in dem der Staat Produktion, Handel und Verkauf kontrolliert. Dabei m\u00fcsse ein&nbsp;<strong>Mindestalter von 18 Jahren<\/strong>&nbsp;festgelegt und die verkaufte Menge begrenzt werden. \u201eAu\u00dferdem muss es ein Werbeverbot geben, das dann allerdings auch f\u00fcr Alkohol und Tabak gelten sollte\u201c, so Steinmetz. Um ihre Argumente zu untermauern, bem\u00fchen die beiden Legalisierungsbef\u00fcrworter Statistiken aus L\u00e4ndern, in denen Cannabis freigegeben oder Drogenkonsum zumindest entkriminalisiert wurde: So sei in den betroffenen US-Bundesstaaten, in Uruguay und in Kanada der \u201eKonsum nicht signifikant gestiegen, sondern im problematischen Bereich sogar leicht gesunken\u201c, sagt Steinmetz. Aus dem US-Bundesstaat Colorado sei bekannt, dass die Legalisierung zu enormen Einsparungen bei Polizei und Gerichten sowie zu mehr Steuereinnahmen f\u00fchrte, bilanziert Werse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Von Niels Britsch<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.op-online.de\/region\/frankfurt\/cannabis-marihuana-haschisch-legalisierung-experten-plaedieren-fuer-freigabe-90057196.html\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cannabis: Experten pl\u00e4dieren f\u00fcr Freigabe 15.10.202015:08 Die Zahl der Straftaten durch Drogenhandel und -konsum nimmt das neunte Jahr in Folge zu, auch die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2020 erneut gestiegen. 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