{"id":3043,"date":"2024-09-12T20:59:52","date_gmt":"2024-09-12T18:59:52","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=3043"},"modified":"2024-09-12T20:59:54","modified_gmt":"2024-09-12T18:59:54","slug":"die-bedeutung-der-trpv-rezeptoren-im-endocannabinoidsystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=3043","title":{"rendered":"Die Bedeutung der TRPV-Rezeptoren im Endocannabinoidsystem"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"692\" src=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Die-Bedeutung-der-TRPV-Rezeptoren-im-Endocannabinoidsystem-1024x692.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3044\" srcset=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Die-Bedeutung-der-TRPV-Rezeptoren-im-Endocannabinoidsystem-1024x692.jpeg 1024w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Die-Bedeutung-der-TRPV-Rezeptoren-im-Endocannabinoidsystem-300x203.jpeg 300w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Die-Bedeutung-der-TRPV-Rezeptoren-im-Endocannabinoidsystem-768x519.jpeg 768w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Die-Bedeutung-der-TRPV-Rezeptoren-im-Endocannabinoidsystem-1536x1038.jpeg 1536w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Die-Bedeutung-der-TRPV-Rezeptoren-im-Endocannabinoidsystem.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lange Zeit nach der erstmaligen Entdeckung des Endocannabinoidsystems ging man davon aus, dass dieses nur aus den altbekannten CB1- und CB2-Rezeptoren besteht. Zwar erf\u00fcllen diese die wichtigsten Aufgaben und dienen als prim\u00e4re Andockstelle der meisten bekannten Cannabinoide, doch bei genauerer Betrachtung erwies sich das Endocannabinoidsystem in den nachfolgenden Jahren als erheblich komplexer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Entdeckung mehrerer&nbsp;GPR-Rezeptoren&nbsp;begann man zu verstehen, dass auch an diesen Rezeptoren Cannabinoide wirken k\u00f6nnen. Eine weitere Gruppe von Rezeptoren, die bislang in der breiten \u00d6ffentlichkeit noch kaum bekannt sind, aber ebenfalls mit Cannabinoiden interagieren, sind die TRPV-Rezeptoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Funktionsweise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abk\u00fcrzung TRP stammt aus dem Englischen und steht f\u00fcr \u201etransient receptor potential\u201c. Das V steht f\u00fcr Vanilloid, was bedeutet, dass der Rezeptor wiederum zu der Gruppe der Vanilloidrezeptoren geh\u00f6rt. Auch von den TRPV-Rezeptoren gibt es wiederum verschiedene Subtypen. Die prinzipielle Funktionsweise ist bei allen TRPV-Rezeptoren die gleiche. Sie \u00fcbermitteln bestimmte Informationen in Form von Ionen, in den sogenannten Ionenkan\u00e4len. Ionen sind elektrisch geladene Teilchen. Bei den meisten Ionenkan\u00e4len kommen Kalzium- oder Natriumionen zur Anwendung, um eine bestimmte Information von diesem Rezeptor in das Zellinnere oder an das Nervensystem weiterzuleiten. Je nach St\u00e4rke und Ladung des Ionenstroms k\u00f6nnen auf diese Weise verschiedene Empfindungen vermittelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den TRPV-Rezeptoren ist besonders der TRPV1-Rezeptor interessant. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Schmerzreizen. Ber\u00fchrt man eine hei\u00dfe Herdplatte, dann wird der dadurch entstehende Schmerz, unter anderem \u00fcber diesen Rezeptor an das Gehirn weitergeleitet. TRPV1-Rezeptoren sind im gesamten peripheren Nervensystem zu finden, konzentrieren sich aber insbesondere an den f\u00fcr die Schmerzwahrnehmung zust\u00e4ndigen nozizeptiven Neuronen. Auch k\u00f6rperliche Empfindungen durch chemische Einfl\u00fcsse werden \u00fcber den TRPV1-Rezeptor vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Beispiel sorgt dieser Rezeptor daf\u00fcr, dass man die Sch\u00e4rfe von Chili sp\u00fcrt, da sein Hauptwirkstoff Capsaicin an diesem Rezeptor andocken und entsprechende Signale \u00fcber die Ionenkan\u00e4le vermitteln kann. Das erstaunliche ist, dass an diesem Rezeptor auch zahlreiche bekannte Cannabinoide aus der Hanfpflanze andocken k\u00f6nnen. Somit muss der TRPV1-Rezeptor streng genommen ebenfalls zum Endocannabinoidsystem gez\u00e4hlt werden. Es gibt mehrere Studien, die zeigen konnten, dass THC, CBD und viele weitere Cannabinoide aus dem Hanf, an diesem Rezeptor eine Wirkung entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Cannabinoide waren in den Versuchen nicht nur am TRPV1-Rezeptor wirksam, sondern auch an mehreren weiteren Rezeptoren aus der TRPV-Gruppe. Je nach verwendetem Cannabinoid, zeigte sich an den verschiedenen Rezeptoren entweder eine agonistische oder antagonistische Wirkung, welche wiederum bewirkte, dass der Ionenfluss in den Ionenkan\u00e4len des Rezeptors angeregt oder gehemmt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>K\u00f6rpereigene Cannabinoide an TRPV-Rezeptoren wirksam<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forscher konnten feststellen, dass das k\u00f6rpereigene Cannabinoid Anandamid, ebenfalls am TRPV1-Rezeptor wirkt. Es wird vermutet, dass Anandamid an diesem Rezeptor eine Rolle bei der Schmerzempfindung, sowie bei der Auspr\u00e4gung von bestimmten Symptomen von Entz\u00fcndungsreaktionen, wie R\u00f6te und W\u00e4rme, spielt. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten gehen auch davon aus, dass eine Fehlregulierung des TRPV1-Rezeptors eine Ursache bei der Entstehung chronischer neuropathischer Schmerzerkrankungen sein k\u00f6nnte. Einige weitere molekularbiologische Prozesse, die Anandamid \u00fcber den TRPV1-Rezeptor reguliert, sind bis heute bisher nicht vollst\u00e4ndig verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach aktuellem Wissensstand geht man davon aus, dass das Zusammenspiel aus Anandamid und dem TRPV1-Rezeptor, eine entscheidende Rolle beim Fettstoffwechsel, sowie bei der Appetitregulierung spielt. M\u00f6glicherweise ist sogar ein Teil der appetitanregenden Wirkung von THC, auf den TRPV1-Rezeptor zur\u00fcckzuf\u00fchren. Auch beim Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie bei Epilepsie, spielt der TRPV1-Rezeptor vermutlich eine Rolle. Durch Beobachtungen an M\u00e4usen ist bekannt, dass Anandamid \u00fcber seine Wirkung am TRPV1-Rezeptor eine regulierende Wirkung auf den Aufbau von neuen Muskelzellen hat. Die Entwicklung von Myoblasten, einer Vorl\u00e4uferzelle der eigentlichen Muskelzelle, wird \u00fcber diesen Prozess ma\u00dfgeblich reguliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr die Schmerztherapie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere der TRPV1-Rezeptor k\u00f6nnte in der Schmerzbehandlung noch eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung bekommen. Auch das Verst\u00e4ndnis, in welcher Weise THC seine schmerzstillende Wirkung bei neuropathischen Schmerzen entfaltet, k\u00f6nnte durch diese Entdeckung noch einmal aus einer neuen Perspektive betrachtet werden. W\u00e4hrend man lange Zeit davon ausging, dass THC seine bekannten Wirkungen nur \u00fcber die CB1- und CB2-Rezeptoren entfaltet, geht man mittlerweile davon aus, dass in diesem Wirkungsmechanismus prim\u00e4r der TRPV1-Rezeptor, eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle spielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, wie die Schmerzweiterleitung \u00fcber diesen Rezeptor auf biochemischer Ebene im Detail funktioniert, kann in Zukunft dabei helfen, vollkommen neue Medikamente gegen chronische Schmerzen zu entwickeln. Chronische Schmerzen sind ein enormes gesundheitliches Problem, welches bis heute bislang nicht vollst\u00e4ndig befriedigend gel\u00f6st werden konnte. W\u00e4hrend starke akute Schmerzen in der An\u00e4sthesie sehr gut beherrscht werden k\u00f6nnen, stellen chronische Schmerzerkrankungen bis heute eine enorme Herausforderung dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die meisten konventionellen Schmerzmittel bringen bei Dauergebrauch erhebliche Nebenwirkungen mit sich, oder f\u00fchren, wenn sie auf Opiaten basieren, zu einer schweren Abh\u00e4ngigkeit. Die Entdeckung, dass g\u00e4nzlich nicht toxische Cannabinoide wie CBD und viele weitere Cannabinoide, eine Wirkung auf einen bislang kaum bekannten Rezeptor haben, k\u00f6nnte ein wichtiger Meilenstein bei der Entwicklung von Schmerzmitteln mit einem neuen Wirkungsmechanismus sein, die auch bei Dauergebrauch keine nennenswerten Nebenwirkungen aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/forschung\/die-bedeutung-der-trpv-rezeptoren-im-endocannabinoidsystem\/\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Zeit nach der erstmaligen Entdeckung des Endocannabinoidsystems ging man davon aus, dass dieses nur aus den altbekannten CB1- und CB2-Rezeptoren besteht. 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