{"id":2852,"date":"2023-10-19T15:35:29","date_gmt":"2023-10-19T13:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=2852"},"modified":"2023-10-19T15:36:36","modified_gmt":"2023-10-19T13:36:36","slug":"die-bedeutung-des-endocannabinoidsystems-in-der-leber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=2852","title":{"rendered":"Die Bedeutung des Endocannabinoidsystems in der Leber"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"375\" src=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Die-Bedeutung-des-Endocannabinoidsystems-in-der-Leber-750x375-1.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2853\" srcset=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Die-Bedeutung-des-Endocannabinoidsystems-in-der-Leber-750x375-1.webp 750w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Die-Bedeutung-des-Endocannabinoidsystems-in-der-Leber-750x375-1-300x150.webp 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leber ist eines der zentralen Organe unseres Stoffwechsels. Sie wandelt eine Vielzahl aufgenommener N\u00e4hrstoffe, in f\u00fcr den K\u00f6rper verwertbare Darreichungsformen um und spielt dar\u00fcber hinaus eine unverzichtbare Rolle bei der Entgiftung. Durch die Leber werden Giftstoffe abgebaut und ausgeschieden. Aufgrund ihrer Aufgabe bei der Entgiftung ist die Leber naturgem\u00e4\u00df eines der widerstandsf\u00e4higsten und robustesten Organe unseres K\u00f6rpers.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch kann auch die Leber nur ein bestimmtes Ma\u00df an Regeneration bewerkstelligen, letztlich erkranken und in ihrer Funktion schwer eingeschr\u00e4nkt werden. Seit der Entdeckung des Endocannabinoidsystems beginnt man immer mehr zu begreifen, dass dieses auch in der Leber eine zentrale Rolle spielt. Viele Lebererkrankungen scheinen in einem direkten Zusammenhang mit entgleisten mikrobiologischen Prozessen an den CB1- und CB2-Rezeptoren in der Leber zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-leber-als-eigenes-kleines-endocannabinoidsystem\">Die Leber als eigenes kleines Endocannabinoidsystem<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bedeutung des Endocannabinoidsystems bei zahlreichen, sich in der Leber abspielenden Prozessen ist so gro\u00df, dass man hier sogar von einem eigenen Cannabinoidsystem, dem sogenannten hepatischen Cannabinoidsystem spricht. Auf allen Typen von <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/cannabinoide\/cbd-in-der-medizin\/cbd-hilft-bei-hepatitis\/\">Leberzellen<\/a> kommen sowohl CB1- als auch CB2-Rezeptoren vor. Die Steuerung der jeweiligen intrazellul\u00e4ren Prozesse \u00fcber die Cannabinoidrezeptoren, findet dabei \u00fcber die beiden Endocannabinoide Anandamid und 2-AG (2-Arachinodylglycerol) statt. Aus Untersuchungen von Gewebeproben ist bekannt, dass sich bei einer Vielzahl von akuten oder chronischen Sch\u00e4digungen der Leber, eine signifikant erh\u00f6hte Konzentration der beiden genannten Cannabinoide im Lebergewebe nachweisen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies spricht daf\u00fcr, dass Endocannabinoide \u00fcber die Cannabinoidrezeptoren Prozesse steuern, die essenziell wichtig sind f\u00fcr die Regeneration der Leber. Man kann sich die Cannabinoidrezeptoren an den Leberzellen bildlich am besten vorstellen wie kleine Regler, mit denen man die jeweiligen Stoffwechselprozesse steuern kann. Die beiden genannten k\u00f6rpereigenen Cannabinoide sind dabei die Bediener, die an diesen Reglern drehen. So wie eine fein abgestimmte Steuerung dieser Prozesse \u00fcber die Cannabinoidrezeptoren daf\u00fcr sorgen kann, dass Funktion und Regeneration in der Leber reibungsfrei laufen, kann umgekehrt ein Missverh\u00e4ltnis in diesem System, die Ursache f\u00fcr schwere Lebererkrankungen sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fettleber als Resultat eines \u00fcberaktiven CB1-Rezeptors<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Fettleber ist h\u00e4ufig das Resultat von exzessivem Alkoholmissbrauch. Jedoch tritt diese Erkrankung auch bei Personen auf, die nicht in problematischen Mengen Alkohol trinken. Man spricht in diesem Fall von einer nichtalkoholischen Fettleber. Aufgrund mehrerer Untersuchungen, sowohl in Zellkulturen menschlicher Leberzellen, als auch durch die Beobachtung an M\u00e4usen, gilt mittlerweile als gesichert, dass der CB1-Rezeptor eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt. Es zeigte sich, dass in den betroffenen Leberzellen eine erh\u00f6hte Synthese von Anandamid stattfindet. Anandamid wiederum ist ein CB1-Agonist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies f\u00fchrt in weiterer Folge dazu, dass an den CB1-Rezeptoren der Leber eine \u00fcberm\u00e4\u00dfig starke agonistische Wirkung herrscht, die offenbar das Entstehen einer Fettleber beg\u00fcnstigt. Nachdem dieser Prozess als Ursache f\u00fcr das Entstehen einer Fettleber bekannt geworden war, f\u00fchrte man eine entsprechende experimentelle Gegenprobe durch. Man setzte Leberzellen, welche den beschriebenen Defekt aufwiesen, einem CB1-Antagonist aus, also einem Cannabinoid welches der agonistischen Wirkung von Anandamid entgegenwirkt. Als Cannabinoide verwendete man in diesem Fall Rimonabant, sowie das synthetische Cannabinoid AM251. Es zeigte sich, dass sich durch eine antagonistische Wirkung am CB1-Rezeptor, genau jene Stoffwechselprozesse herunterregulieren lassen, die ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Entstehung der Fettleber verantwortlich sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">CB2-Rezeptor steuert Entz\u00fcndungsprozesse<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits aus anderen Bereichen des K\u00f6rpers bekannt, werden auch in der Leber entz\u00fcndliche Prozesse \u00fcber den <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/cannabismedizin-allgemein\/forscher-entschluesseln-struktur-des-cb2-rezeptors\/\">CB2-Rezeptor<\/a> reguliert. Aus chronischen Entz\u00fcndungen in der Leber k\u00f6nnen sich in weiterer Folge Leberzirrhose, Fibrose, sowie <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/cannabiskonsumenten-haben-ein-geringeres-leberkrebsrisiko\/\">Leberkrebs<\/a> entwickeln. Aufgrund von Beobachtungen an Zellkulturen ist bekannt, dass ein CB2-Agonist wie JWH-015, sowohl das Wachstum von Leberkrebszellen hemmen kann, als auch das Fortschreiten einer Fibrose oder Zirrhose verlangsamen oder sogar stoppen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der CB2-Rezeptor ist in der Leber dar\u00fcber hinaus zust\u00e4ndig f\u00fcr die Regeneration nach toxischen oder auch mechanischen Sch\u00e4digungen. In diesem Fall \u00fcbt das k\u00f6rpereigene Cannabinoid 2-AG eine agonistische Wirkung auf den CB2-Rezeptor aus. Dadurch kommt es zu einer Reduktion von oxidativem und nitrosativem Stress in den Leberzellen. Gleichzeitig wird dadurch \u00fcber eine Interaktion mit dem Zytokin Interleukin-6, die Bildung neuer Leberzellen angeregt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neue Behandlungsans\u00e4tze durch Cannabinoide<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse geht man davon aus, dass bei schweren Lebererkrankungen in Zukunft Cannabinoide eine neue Behandlungsoption darstellen k\u00f6nnten. Ein Studie aus dem Jahr 2008, die an 315 Patienten mit chronischer Hepatitis C durchgef\u00fchrt wurde, zeigte, dass auch bei chronischer Hepatitis C eine starke \u00dcberaktivit\u00e4t des CB1-Rezeptors vorhanden ist. Zwar ist Hepatitis C eine Virusinfektion, doch man geht aufgrund dieser Forschungsergebnisse davon aus, dass man die Schwere des Verlaufs und die damit verbundenen Lebersch\u00e4den erheblich vermindern k\u00f6nnte, indem man dem Patienten einen CB1-Antagonist verabreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gleiche Funktionsprinzip l\u00e4sst sich demnach auch bei der Behandlung einer Fettleber anwenden. Eine Phase 3 Studie mit dem CB1-Antagonist Rimonabant musste zwar wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden, jedoch gibt es eine gro\u00dfe Anzahl weiterer potenzieller Cannabinoide f\u00fcr diesen Einsatzzweck, die weitgehend nicht toxisch sind und sehr selektiv wirken. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch bei Lebererkrankungen in den kommenden Jahren Cannabinoide zunehmend als Behandlungsoption eine Rolle spielen werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/cannabismedizin-allgemein\/die-bedeutung-des-endocannabinoidsystems-in-der-leber\/\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Leber ist eines der zentralen Organe unseres Stoffwechsels. Sie wandelt eine Vielzahl aufgenommener N\u00e4hrstoffe, in f\u00fcr den K\u00f6rper verwertbare Darreichungsformen um und spielt dar\u00fcber hinaus eine unverzichtbare Rolle bei der Entgiftung. Durch die Leber werden Giftstoffe abgebaut und ausgeschieden. 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