{"id":1172,"date":"2021-02-10T21:09:30","date_gmt":"2021-02-10T20:09:30","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=1172"},"modified":"2021-02-10T21:14:01","modified_gmt":"2021-02-10T20:14:01","slug":"freigabe-von-cannabis-als-genussmittel-kiffen-kids-dann-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=1172","title":{"rendered":"Freigabe von Cannabis als Genussmittel: Kiffen Kids dann mehr?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"568\" src=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/20210210_211208-1024x568.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1174\" srcset=\"https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/20210210_211208-1024x568.jpg 1024w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/20210210_211208-300x166.jpg 300w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/20210210_211208-768x426.jpg 768w, https:\/\/hanfserver.info\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/20210210_211208.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Studie aus Kalifornien prognostiziert unerwartete Effekte. Sie h\u00e4tten auch Auswirkungen auf die Drogenpr\u00e4vention in Deutschland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Bundesregierung aus CDU\/CSU und SPD sieht in ihrer&nbsp;Antwort vom Oktober 2020&nbsp;auf eine&nbsp;Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke&nbsp;einen wirksamen Jugendschutz bei Cannabis nur in Form der Generalpr\u00e4vention: Um zu verhindern, dass Jugendliche Mitb\u00fcrger zum Joint greifen, muss der Gebrauch auch allen Erwachsenen verboten werden (Darum ist Cannabis kein Brokkoli).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Womit man diejenigen Teile der Bev\u00f6lkerung kriminalisiert, die nicht nur eine viel gr\u00f6\u00dfere Gruppe als die der Jugendlichen darstellen, sondern f\u00fcr die der Konsum von Cannabis auch weniger gef\u00e4hrlich ist. Eine pr\u00e4ventive Wirkung der Jugendschutzmechanismen, die bereits f\u00fcr Alkohol und Tabakwaren gelten, scheint sich die Bundesregierung bei Cannabis nicht vorstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Studien in den USA: vernachl\u00e4ssigbarer Einfluss<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch zum Gl\u00fcck muss man sich nicht mehr mit reinen Vorstellungen und Was-W\u00e4re-Wenn-Spielchen zufriedengeben, denn diverse Bundesstaaten der USA haben Cannabis bereits vor Jahren zum Freizeitgebrauch legalisiert. In Colorado, wo dies bereits 2012 geschehen ist, stagniert seither der Konsum unter High-School-Sch\u00fclern, w\u00e4hrend er in anderen Teilen des Landes im gleichen Zeitraum angestiegen ist. In Kalifornien wurde Cannabis erst 2018 legalisiert. Inzwischen sind aber auch f\u00fcr dieses Bundesland die ersten Studien erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wissenschaftsmagazin&nbsp;<em>Addictive Behaviours<\/em>&nbsp;wurde&nbsp;eine Studie der University of California publiziert, wonach die Legalisierung bei kalifornischen Jugendlichen h\u00f6chstens einen vernachl\u00e4ssigbaren Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit des Konsums hatte. F\u00fcr die Forschungsarbeit wurden Daten einer L\u00e4ngsschnittstudie mit Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren, die sich im Zeitraum von 2015 bis 2016 f\u00fcr die Studie angemeldet hatten und die viertelj\u00e4hrig \u00fcber ihren Konsum befragt wurden, neu ausgewertet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der urspr\u00fcnglichen Studie wurde die H\u00e4ufigkeit des Tabakkonsums untersucht, die Teilnehmer mussten aber auch Angaben zu Cannabis machen. Eine solche Zweitverwertung ist in Wissenschaftskreisen durchaus \u00fcblich und stellt einen der Gr\u00fcnde dar, warum sich Forscher mit der Offenlegung ihrer Rohdaten noch immer schwertun. Denn die Konkurrenz k\u00f6nnte damit interessante Zusammenh\u00e4nge aufdecken, ohne selbst sammeln zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die H\u00e4ufigkeit des Marihuana-Konsums \u00e4nderte sich unter den kalifornischen Jugendlichen im untersuchten Zeitraum nicht &#8211; also auch nicht nach der Legalisierung. H\u00e4ufigerer Gebrauch war assoziiert mit j\u00fcngerem Alter und dass man sich selbst als &#8222;wei\u00df&#8220; identifiziert. Beides \u00e4nderte sich nach der Legalisierung nicht. Bei genauerem Hinschauen konnten die Forscher aber dennoch Variablen identifizieren, die sich \u00e4nderten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Korrelationen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So griffen weibliche Teilnehmer \u00fcber den Zeitraum der Studie h\u00e4ufiger zu Cannabis, m\u00e4nnliche hingegen seltener. Seit der Legalisierung korreliert Cannabiskonsum unter den Jugendlichen Kaliforniens zudem auch mit der Nutzung von E-Zigaretten, davor lediglich mit der Nutzung von Tabak.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forscher schlussfolgern daraus, dass man die Konsumlandschaft rund um E-Zigarettenprodukte \u00fcberwachen, bzw. wissenschaftlich begleiten sollte. Was sie aber nicht folgern, ist ein Anstieg des Konsums unter jungen Erwachsenen durch die Legalisierung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vergleich zwischen Kalifornien und Pennsylvania<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Ergebnisse in Relation setzen zu k\u00f6nnen, lohnt ein Vergleich mit anderen Bundesstaaten. Diesen hat ein internationale Forscherteam in einer&nbsp;Studie mit strafff\u00e4llig gewordenen Jugendlichen in Kalifornien und Pennsylvania gezogen, die in der Zeitschrift&nbsp;<em>American Journal of Public Health<\/em>&nbsp;erschienen ist. Dabei wurde der Zeitraum vor der Legalisierung, vor der Implementierung und nach der Implementierung untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zeitraum, den die Studie abdeckt, geht von Oktober 2015 bis Juni 2018. Ab 9. November 2016 war der Besitz von Cannabis in Kalifornien offiziell legal, Cannabis durfte aber noch nicht verkauft werden. Erst seit dem 01. Januar 2018 darf in Kalifornien Cannabis offiziell in Fachgesch\u00e4ften angeboten und erworben werden, was laut den Forschern einen erleichterten Zugang bedeutet, der f\u00fcr erh\u00f6hte Konsumraten sorgen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcckgegriffen werden dabei auf Daten der&nbsp;Crossroads Studie, die m\u00e4nnliche Jugendliche, die zum ersten Mal mit dem Strafvollzugssystem in Ber\u00fchrung gekommen sind, untersucht. Unter dieser Gruppe ist laut der Studie die Wahrscheinlichkeit, Cannabis zu konsumieren, fast doppelt so hoch wie in der gleichen Alterskohorte ohne Vorstrafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher sind diese Hochrisikof\u00e4lle besonders interessant f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsforschung. Die Autoren der Studie h\u00e4tten gerne noch mehr Bundesstaaten untersucht, mussten sich aber aufgrund mangelnder Daten auf Kalifornien mit 504 Teilnehmern und Pennsylvania mit 478 Teilnehmern beschr\u00e4nken. In Pennsylvania ist Cannabis zum Freizeitkonsum bis heute verboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den jugendlichen Deliquenten in Kalifornien zeigte sich weder durch die Legalisierung noch durch die Implementierung eine signifikante \u00c4nderung des Konsums. In der Zeit zwischen Legalisierung und Implementierung in Kalifornien stieg dieser in der gleichen Kohorte in Pennsylvania allerdings signifikant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der vollst\u00e4ndigen Legalisierung stieg der Konsum unter den Studienteilnehmern aus Pennsylvania nochmals, allerdings nicht mehr signifikant, wodurch sie allerdings die Vergleichsgruppe aus Kalifornien im Konsum sogar \u00fcberholten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Konsumrate wurde der Anteil der Teilnehmer definiert, die innerhalb der letzten 24 Stunden vor der Untersuchung Cannabis konsumiert hatte, eine Ma\u00dfzahl, die signifikant mit dem Durchschnittskonsum \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum von 6 bis 12 Monaten korreliert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/imgs\/89\/3\/0\/5\/0\/7\/0\/0\/98605b3df2d4dbf3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/heise.cloudimg.io\/width\/935\/q30.png-lossy-30.webp-lossy-30.foil1\/_www-heise-de_\/tp\/imgs\/89\/3\/0\/5\/0\/7\/0\/0\/98605b3df2d4dbf3.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><figcaption>Konsumrate unter m\u00e4nnlichen jugendlichen Deliquenten in Kalifornien und Pennsylvania vor der Legalisierung, nach der Legalisierung, aber vor der Implementierung und nach der Implementierung. Auch hier stagniert der Konsum unter kalifornischen Jugendlichen, w\u00e4hrend die gleiche Kohorte in Pennsylvania nach der Legalisierung in Kalifornien sogar noch h\u00e4ufiger zum Joint griff. Quelle:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/342999099_Marijuana_Use_Among_Justice-Involved_Youths_After_California_Statewide_Legalization_2015-2018\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">American Journal of Public Health<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Ausstrahlungseffekt&#8220; der Legalisierung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wissenschaftler vermuten einen &#8222;Ausstrahlungseffekt&#8220; der Legalisierung in Kalifornien auf das Konsumverhalten von Jugendlichen in Pennsylvania, wo der Freizeitgebrauch von Marihuana weiterhin illegal bleibt. Allerdings wurde in Pennsylvania ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit, als in Kalifornien die Legalisierung beschlossen wurde, die Anwendung von medizinischem Cannabis erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Legalisierung von Cannabis zum medizinischen Gebrauch bei gleichzeitiger Beibehaltung eines Verbots zum Freizeitkonsum steht ebenfalls im Verdacht, die Konsumrate unter Jugendlichen zu erh\u00f6hen, da sich dadurch das Image der Substanz weg von der gef\u00e4hrlichen Droge hin zum gesundheitlich wertvollen Medikament wandelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz egal, welche der beide Effekte (oder vielleicht sogar beide zusammen?) f\u00fcr den Anstieg in Pennsylvania verantwortlich waren, f\u00fcr die Drogenpolitik der Bundesregierung sind das keine guten Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn auch hierzulande ist unter bestimmten Voraussetzungen die Anwendung von Cannabis als Medizin erlaubt, seit 2017 sogar von den Krankenkassen erstattungsf\u00e4hig, w\u00e4hrend der Freizeitkonsum weiterhin illegal bleibt und besonders in den s\u00fcdlichen Bundesl\u00e4ndern auch unterhalb der sogenannten Freigrenzen hart verfolgt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig findet in umliegenden L\u00e4ndern eine Legalisierung statt. In den Niederlanden, die den Verkauf und Besitz von Cannabis bisher nur geduldet haben, steht f\u00fcr 2021 zum ersten Mal der Verkauf von legal angebauten Bl\u00fcten im Raum, Luxemburg hat die Legalisierung f\u00fcr erwachsene Einwohner beschlossen und schraubt an den Details und in der Schweiz werden Modellprojekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis m\u00f6glich. Und auch die Cannabis Social Clubs in Spanien haben eine Strahlkraft, die wahrscheinlich bis in unsere Gefilde reicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jugendlichen, die direkt im &#8222;Strahlungszentrum der Legalisierung&#8220; sitzen, scheinen hingegen reichlich unbeeindruckt die gef\u00e4hrlichen Jahre abwarten zu k\u00f6nnen und zeigen sich erstaunlich resilient gegen\u00fcber den Verf\u00fchrungen aus den&nbsp;<em>Cannabis Dispenseries<\/em>&nbsp;(Cannabis-Ausgabestellen), vor denen konservative Politiker nicht m\u00fcde werden zu warnen.&nbsp;(<em>Gottfried Hofmann<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Freigabe-von-Cannabis-als-Genussmittel-Kiffen-Kids-dann-mehr-5045244.html\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie aus Kalifornien prognostiziert unerwartete Effekte. 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