{"id":1056,"date":"2021-01-04T00:15:40","date_gmt":"2021-01-03T23:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=1056"},"modified":"2021-01-04T00:15:42","modified_gmt":"2021-01-03T23:15:42","slug":"drogen-in-der-menschheitsgeschichte-einige-schlaglichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanfserver.info\/?p=1056","title":{"rendered":"Drogen in der Menschheitsgeschichte \u2013 einige Schlaglichter"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eDrogen(1) sind Genussmittel, wenn sie m\u00e4\u00dfig und kontrolliert genossen werden. Drogen sind medizinisch indizierte Hilfsmittel zur Bew\u00e4ltigung psychischer Probleme, Drogen sind Bet\u00e4ubungsmittel zur Linderung von k\u00f6rperlichem Schmerz, Drogen sind Suchtmittel, wenn der Konsum au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t; Drogen sind Zahlungsmittel im Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t, Drogen sind Druckmittel zur Durchsetzung autorit\u00e4rer \u201alaw and order\u201b-Strategien.\u201c<\/em>\u00a0\u2013 G\u00fcnter Amendt<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Rausch ist so alt wie die Menschheit (2)<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Konsum von Genuss- und Rauschmitteln ist schon so alt wie die Menschheit selbst. Die sehr gut erhaltenen H\u00f6hlenzeichnungen in der Chauvet-H\u00f6hle (S\u00fcdfrankreich) aus dem Jahr 30.000 vor unserer Zeitrechnung zeigen neben bekannten Tieren auch psychedelische (\u201ebewusstseinserweiternde\u201c) Figuren. In den verwendeten Farben wurde das Manganoxid gefunden, welches giftig ist und Halluzinationen hervorrufen kann. Arch\u00e4ologInnen deuten die Grotte als Ort schamanischer Kulte und Rituale. Ebenfalls aus der Steinzeit \u00fcberliefert sind uns Hinweise auf den Konsum von Fliegenpilzen und anderen psychotropen (\u201edas Bewusstsein bewegenden\u201c) Rauschpilzen, Cannabis, Tabak, Alkohol sowie Schlafmohn f\u00fcr sakrale (\u201eheilige\u201c) und hedonistische (\u201eLust erweckende\u201c) Zwecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Cannabis als Heilmittel gegen Verstopfung und Rheuma wurde bereits im Arzneimittelbuch des chinesischen Kaisers Shen-Nung aus dem Jahr 2737 Jahre vor Christus empfohlen. Der Einsatz von Opium durch \u00c4rztInnen um 300 vor Christus wurde vom Griechen Theophphrast von Eresos beschrieben. Den Ruf als bester Arzt seiner Zeit (um 1500) verdankt Paracelsus seinem stark opiumhaltigen Laudanum. Genussmittel wie die Fr\u00fcchte des Kakaobaums wurden vermutlich schon 1500 v. Chr. von den Olmeken genutzt und von den Maya als Geschenk der G\u00f6tter geehrt. Die Azteken stellten damit Xoc\u00f3atl (aztekisch f\u00fcr \u201ebitteres Wasser\u201c) her \u2013 eine Mischung aus Wasser, Kakao, Vanille und Cayennepfeffer und der Vorl\u00e4ufer unserer heutigen Schokolade. Schamanen und Priester h\u00fcteten und verwalteten nicht nur die Rauschmittel, sondern entdeckten und erforschten auch neue. Die faszinierendste Entwicklung hierbei ist Ayahuasca. Diese Droge wird seit ca. 5000 Jahren von indigenen Volksgruppen in S\u00fcdamerika als Heilmittel und sakrale Droge verwendet und ist ein Gebr\u00e4u aus unterschiedlichen Pflanzen. Pharmakologisch ist sie eine Kombination aus der harmalinhaltigen Liane (Banisteriopsis caapi) und dem DMT-haltigen Chacrunabl\u00e4ttern (Psychotria viridis). Alleine konsumiert sind die beiden Pflanzen wirkungslos, nur zusammen ergeben sie eine der st\u00e4rksten bekannten halluzinogenen Drogen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Drogen als Wirtschaftsgut und Kriegsgrund<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir schreiben das Jahr 1820. Der Einkauf von Tee und Rohseide aus China f\u00fchrte in Europa zu einer sp\u00fcrbaren Silberverknappung. Als Reaktion verst\u00e4rkte die East India Company den Opiumhandel mit China, innerhalb kurzer Zeit wendete sich der Silberstrom. Etwa 20 Jahre sp\u00e4ter wurden von Gro\u00dfbritannien 2000 Tonnen Opium nach China exportiert. \u00dcbertragen auf die Gesamtbev\u00f6lkerung entspricht dies in etwa der Menge Cannabis, die in Deutschland aktuell verbraucht wird \u2013 kurz: Es wurde vor mehr als 150 Jahren soviel Opium in China geraucht, wie derzeit Cannabis in Deutschland. Beachtet man allerdings, dass damals 90 % der ChinesInnen B\u00e4uerInnen waren und sich der Handel und damit auch der Konsum stark an der K\u00fcste konzentrierte, kann man sich leicht vorstellen, welches Ausma\u00df dieser Konsum damals angenommen hatte. Der Gesamtexport aus Indien im Jahr 1880 betrug mit 6000 Tonnen so viel wie der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Opiumanbauer Afghanistans heute produziert.<\/p>\n\n\n\n<p>China versuchte am 24. M\u00e4rz 1839, dem Opiumhandel und -konsum einen Riegel vorzuschieben. Der chinesische Sonderkommissar und Spitzenbeamte Lin Zexu lie\u00df aufgrund eines kaiserlichen Edikts Ausl\u00e4nderInnen den Opiumhandel in China verbieten. Zudem wurden 350 Ausl\u00e4nderInnen interniert und nur gegen die Auslieferung von 1400 Tonnen Opium aus britischen Lagern freigelassen. Das Opium wurde sp\u00e4ter ins Meer gesp\u00fclt. Gro\u00dfbritannien reagierte mit der Entsendung eines Flottenverbandes, der \u201eGenugtuung und Wiedergutmachung\u201c einfordern sollte. Im darauf folgenden Ersten Opiumkrieg wurde die einst unbeschr\u00e4nkte Hegemonialmacht Asiens China besiegt und am 29. August 1842 zur Unterzeichnung des ersten der sog. \u201eUngleichen Vertr\u00e4ge\u201c, dem Vertrag von Nanking, gezwungen. 1856 bis 1860 folgte der Zweite Opiumkrieg. Dieser endete mit dem Vertrag von Tianjin und der Pekinger Konvention, in der China u.a. dazu gezwungen wurde, christliche MissionarInnen ins Land zu lassen. Deren Berichte \u00fcber den Opiummissbrauch in der chinesischen Bev\u00f6lkerung, sowie sp\u00e4ter stattfindendes Engagement dagegen, f\u00fchrten Jahre sp\u00e4ter zu einem Ende des Handels und zu den ersten internationalen Opiumkonferenzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die \u00c4ra der Prohibition<\/h3>\n\n\n\n<p>Am 16. Januar 1920 trat in den USA das Alkoholverbot in Kraft. In den folgenden Jahren sank der Alkoholkonsum, messbar beispielsweise anhand der Zahl der Todesf\u00e4lle durch Leberzirrhosen. Gleichzeitig nahm die Kriminalit\u00e4t massiv zu, alleine von 1920 bis 1921 um 24 Prozent. Das organisierte Verbrechen, gesteuert von Personen wie Al Capone, beherrschte ganze St\u00e4dte, die Korruption in der Polizei und Politik nahm unvorstellbare Ausma\u00dfe an. Die Mafia konnte sich in den Jahren der Alkoholprohibition in ganz Nordamerika ausdehnen. Die Verf\u00fcgbarkeit von Alkohol wurde nicht eingeschr\u00e4nkt, sondern gerade in St\u00e4dten wie New York City und Chicago gab es mitunter deutlich mehr \u201eSpeakeasys\u201c, also getarnte Lokalit\u00e4ten als Kneipen, vor der Prohibition. Der Konsum verlagerte sich von Wein und Bier zu Spirituosen, da diese einfacher zu schmuggeln waren \u2013 dieses Trinkverhalten blieb auch nach der Prohibition erhalten. Die Kosten f\u00fcr die versuchte Durchsetzung der Prohibition stiegen von Jahr zu Jahr, w\u00e4hrend auf der anderen Seite die alten Steuereinnahmen fehlten. Die ausufernde Kriminalit\u00e4t und die Unf\u00e4higkeit des Staates gegen den Willen seiner Bev\u00f6lkerung das Verbot durchzusetzen, f\u00fchrten am 5. Dezember 1933 zu einem Ende der Prohibition des Alkohols.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampf gegen Opium in der westlichen Welt begann im Jahr 1875 in San Francisco. Ziel waren opiumrauchende, chinesische GastarbeiterInnen, die, nachdem sie die Eisenbahnlinien des Landes gebaut haben, zur \u201egelben Gefahr\u201c hochstilisiert wurden. 25 Jahre sp\u00e4ter wurde der Marihuana- und Kokainkonsum der Afroamerikaner zum Problem erkl\u00e4rt, die Drogenrepression in den kommenden Jahren war prim\u00e4r rassistisch gepr\u00e4gt. In Deutschland fiel der Beginn einer eigenst\u00e4ndigen nationalen Drogenpolitik in die Zeit der Machtergreifung durch Hitler. Die Geburt der deutschen Drogenpolitik erfolgte aus dem Geist der Rassenhygiene. Das Rechtsgut der zu sch\u00fctzenden \u201eVolksgesundheit\u201c pr\u00e4gt das Drogenrecht bis heute. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Feindbild des tabakhandelnden Juden durch das des rauschgiftdealenden S\u00fcdl\u00e4nders ersetzt, das Personal im Gesundheitsministerium und Bundeskriminalamt blieb das gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ideengeschichtliche Ursprung der heute existierenden weltenweiten Drogenprohibitionspolitik liegt in der Reformation und der Entstehung des Protestantismus und des Calvinismus. W\u00e4hrend Martin Luther den Alkohol nicht grunds\u00e4tzlich verurteilte, sondern nur M\u00e4\u00dfigung forderte, verdammte Jean Calvin ihn und lie\u00df in Genf Wirtsh\u00e4user schlie\u00dfen. Der Rausch war f\u00fcr ihn ein Laster, f\u00fcr S\u00e4uferInnen forderte er die Exkommunikation \u2013 in der damaligen Zeit ein gewaltiges Urteil. Die Alkoholprohibition der USA entsprang einem Zeitgeist des Puritanismus (eine calvinistische Reformbewegung). Andere AkteurInnen waren s\u00e4kulare (\u201eweltliche\u201c) und christliche Abstinenzorganisation wie die Guttempler, aber auch b\u00fcrgerliche, feministische oder sozialistische Gruppen, RassistInnen aller Couleur mit ihrer Hetze von kulturfremden Drogen und einzelne Kr\u00e4fte aus der Wirtschaft. Gerade die junge Frauenbewegung war in Abstinenzorganisationen wie dem \u201eChristlichen Frauenbund f\u00fcr Abstinenz\u201c und in Sittlichkeitsvereinen sehr aktiv.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Drogen in der heutigen kapitalistischen Leistungsgesellschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend bewusstseinsbewegende Substanzen in der Vergangenheit in Rituale eingebettet, nur lokal verf\u00fcgbar waren oder der Zugang durch Schamanen, Priestern oder \u00c4rztInnen kontrolliert wurde, sind Drogen heute allgegenw\u00e4rtig preiswert verf\u00fcgbar. Wir trinken den Tag \u00fcber Kaffee um wach und produktiv zu sein, abends beruhigen wir uns wieder durch Rotwein, Bier, Cannabis oder finden nur noch mit Schlafmitteln den Weg in Morpheus\u2018 Arme. Trinken wir zu viel oder sind wir krank, k\u00f6nnen 800 mg Ibuprofen zusammen mit 400 mg Koffein wieder arbeitstauglich machen. Sind wir schlecht drauf, bringen uns Prozac, Valium und Co. wieder ins emotionale Gleichgewicht \u2013 oder zumindest in die Gesellschaftsf\u00e4higkeit zur\u00fcck. St\u00f6rt das Kind im Unterricht, wird die Diagnose ADHS und eine gro\u00dfe Packung Ritalin bereitgestellt \u2013 f\u00fcr solides Funktionieren in der Schule. Probleme im Bett? Oder einfach v\u00f6llig verzehrte Vorstellungen? Viagra kann\u2019s richten. Party on! Das ganze Wochenende, mit den Pillen eines Freundes\/einer Freundin kein Problem! Und die Entwicklung geht weiter: In einer Pille Modafinil \u2013 eigentlich f\u00fcr NarkoleptikerInnen entwickelt \u2013 stecken 100 Milligramm reine Arbeitswut! Wir werden schneller, flexibler, mobiler und wann \u00fcberholen wir uns dabei selbst? Ist eine Zukunft ohne Drogen \u00fcberhaupt vorstellbar? Oder werden wir immer mehr davon abh\u00e4ngig, unseren K\u00f6rper an die Erfordernisse der Gesellschaft anzupassen? Die Bereitschaft, immer so zu sein wie verlangt, w\u00e4chst. Was ist dieser Trend mehr als die Ausbeutung seines Selbst, die wahre ICH AG Mensch?<\/p>\n\n\n\n<p>Max Plenert<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"https:\/\/alternative-drogenpolitik.de\/2009\/11\/24\/drogen-in-der-menschheitsgeschichte-einige-schlaglichter\/\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDrogen(1) sind Genussmittel, wenn sie m\u00e4\u00dfig und kontrolliert genossen werden. 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